Die Gerd-Show – Intermezzo

Manfred ist heute 50, und hat bis Ende Juni Unter Tage gearbeitet. Nun ist es damit vorbei, denn seit dem 1. Juli 2004 ist Manfred einer von rund 4,3 Millionen Arbeitslosen; eine Zahl, die trotz geschönter Statistiken den höchsten Stand an Arbeitslosen seit der Wiedervereinigung im Juli darstellt. Mit 50 Jahren ist für den Arbeiter Hartz IV unausweichlich; eine unvermeidliche Tragödie:

Die Eltern von Manfred kamen nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 als Vertriebene über Lübeck, Neumünster, Frankfurt schließlich in den Ruhrpott. Dort fand Manfreds Vater Jürgen Arbeit in einer Zeche, bis er 1982 in den Ruhestand ging. Damit hatte mehr Glück als viele seiner jüngeren Kumpels. Aber Jürgen hatte auch gelernt aus der Vertreibung und dem Grauen des Krieges: Mit Beginn des Wirtschaftswunders baute er sich ein bescheidenes Haus, wo er heute im Alter von 88 Jahren mit seiner Frau Martha den Ruhestand genießt. Die Lebensgeschichte von Jürgen hatte auch Auswirkungen auf die Erziehung seines Sohnes Manfred. Auch Manfred nutzte die gut bezahlten Jahre um sich ein Eigenheim zu bauen. Gleichzeitig sparten er und seine Frau Sabine Monat für Monat und legten das Geld auf mündelsicheren Konten für ihre drei Kinder Peter (heute 24), Paula (22) und Andreas (19). Durch die eigene Bescheidenheit und den ständigen Verzicht von Manfred und Sabine verfügen die drei Kinder heute jeweils über ein Vermögen von rund 25.000 Euro.

Peter studiert seit zwei Jahren Ingenieurswesen an der Universität in Bamberg. Einen Teil des Studiums finanziert er durch einen abendlichen Job in einer Kneipe und dem morgentlichen Austragen von Zeitungen. Für den Rest greift er auf sein Vermögen zurück. Den größten Teil wird er aber im Januar 2006 benötigen, wenn er im Rahmen eines Austauschprogramms für ein Jahr an die renomierte Universität in Bosten, das M.I.T., wechseln will.

Paula hat nach ihrem Realschulabschluss eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau absolviert und anschließend 3 Jahre in einem renomierten Geschäft in Düsseldorf gearbeitet. Auf der Abendschule hat sie dabei das Nähhandwerk erlernt und im Mai 2002 der erlesenen Kundschaft ihres Arbeitgebers ihre Kreation präsentieren dürfen. Im Sommer vergangenen Jahres hat sie in Düsseldorf ihr eigenes Geschäft eröffnet und dabei ihr gesamtes Kapital eingesetzt. Heute beschäftigt sie 2 Vollzeit-, 5 Teilzeitkräfte und 3 Aushilfen.

Andreas dient noch bis Ende des Jahres als Offizier bei der Bundeswehr. Durch seine Auslandseinsätze in Bosnien und am Kap hat er viele internationale Kontakte geknüpft, die ihm die Mög lichkeit eines Studienplatzes an der amerikanischen University of Yale verschafft haben. Ohne sein Startkapital wäre ihm das Studium des internationalen Wirtschaftsrechts nicht möglich.

Und nun kommt Hartz IV. Die Vermögen von Eltern und Kinder werden herangezogen. Manfred und Sabine müssen ihr Haus verkaufen und sinken immer tiefer in die unvermeidliche Abhängigkeit von der Sozialhilfe. Jürgen und Martha müssen ebenfalls ihr Haus verkaufen und werden gewissermaßen erneut vertrieben. Peter und Andreas müssen ebenfalls ihre Ersparnisse opfern, und somit den Traum von einer Karriere durch den Besuch von Eliteunversitäten platzen lassen. Und Paula schließlich muss an ihre eigentlich betrieblichen Rücklagen mit der Folge, dass sie ein weiteres Jahr der Rezession nicht durchhalten wird. Dann wird sich dieses Szenario bei ihren Angestellten und deren Familien wiederholen.

Zugegeben, dieses Beispiel ist extrem, aber nicht undenkbar. Selbst wenn nur ein einziger Punkt zutreffen sollte, ist dieses Gesetzeswerk vollkommen inakzeptabel. Superminister Wolfgang Clement (SPD) fühlt sich denn auch sogleich auf den Schlips getreten und bezeichnet die neu aufkommenden Montagsdemonstrationen als Zumutung. Und nachdem der Regierung sowieso niemand mehr glaubt, dass die Weltwirtschaft, der hohe Ölpreis oder Konsumzurückhaltung der Bürger Schuld an der desaströsen wirtschaftlichen Lage in Deutschland sind, hat Clement sogleich einen neuen Schuldigen gefunden: „Womit wir in Deutschland als empfindlichstes Übel zu tun haben, gehört zur Hinterlassenschaft der Kommunisten: eine marode Staatswirtschaft, deren Zusammenbruch geradewegs in die Arbeitslosigkeit führte. Deshalb müsste es PDS’lern die Schamröte ins Gesicht treiben, wenn sie jetzt Montagsdemos zu initiieren versuchen.“

Nachdem sich zwischenzeitlich auch CDU, CSU und FDP dem grünroten Irrlauf wie die Lemminge angeschlossen haben, hat sich auch wieder Vaterlandsverräter Nummer 1, Oskar Lafontaine, zurückgemeldet und attakiert seinen Kontrahenten Bundeskanzler Gerhard Schröder abermals. Neu an der Variante diesmal ist aber, dass Lafontaine sich für seinen unrühmlichen Abgang auf seine Weise entschuldigt: „Ich habe viele Erwartungen enttäuscht. Das bedauere ich.“

Ich meine, wer angesichts der Eingriffe in die Vermögen und Zukunftsperspektiven eigentlich unbeteiligter Familienangehöriger noch ruhig schlafen oder gar gegen die Demonstrationen wettern kann, ist es nicht wert, ein Vertreter des Volkes zu sein.

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