Urlaub mit der TUI

Das MittelmeerUrlaub mit der TUI, so erklärt der Werbefachmann, ist erholsam und das Nonplusultra. Na ja, Nonplus kann es auch ohne Ultra geben. Ende April jedenfalls machte ich mich auf, packte meine Frau und die beiden Kinder ein, um 14 Tage einen fürstlichen Urlaub zu verleben.

Erfreulich, so sagte die nette Dame im Reisebüro, sei die Tatsache, dass man bereits am Vorabend das Gepäck am Flughafen abgeben könnte, und so am nächsten Morgen nicht ganz so früh erscheinen müsste. Super, dachte ich bei mir, und nahm den 20 minütigen Weg zum Hamburger Flughafen am Vorabend auf mich. Direkt vor dem Terminal gab es denn auch Parkplätze, so dass mir ein weiter Weg erspart blieb; die obligatorische Parkuhr fütterte ich mit 2 Euro für 30 Minuten – nur um ganz sicher zu gehen.

Meine liebe Frau hatte auch wieder an alles gedacht, und so zog ich links einen Koffer mit 32,5 Kilo und rechts einen mit 29,8 Kilo, wobei mir der rechts mehr Probleme ob der 12 Kilo schweren Tasche breitete. Und endlich stand ich da, am Schalter der Condor, ganz hinten, also so hinter rund 200 anderen Menschen, die auch bereits am Abend vorher ihr Gepäck loswerden wollten. Nach einer gute Stunde in den engen Gassen (bei den Engländern klappt das ja wenigstens auch ohne die Absperrungen) konnte ich dann endlich einer netten Mitarbeiterin der Condor mein Gepäck anvertrauen.

Auf meine Frage, wann ich denn am nächsten Morgen erscheinen möge, lächelte sie mich an und sagte irgendwas von 5 Uhr. Auf der wiederum 20 minütigen Heimfahrt überlegte ich mir dann, wie viel Zeit ich denn nun eigentlich gespart hätte: Der Flieger ging um 6:05, macht 65 Minuten, plus 40 Minuten Fahrt am Abend, plus rund 60 Minuten warten… Irgendwie kam ich mir veralbert vor, während ich mir so das Ticket von noch ungeklärter Höhe für die Überschreitung der Parkzeit ansah.

Am nächsten Morgen aber erkannte ich um 4:15 Uhr den zwingenden Vorteil des vorabendlichen Check-In: Die Kinder quängeln nicht. Die Quängelei hörte so gegen 6 auf, als wir im Flieger saßen und die kleinen Bälger die Prozedur des Nasensprays über sich ergingen ließen. Das mit dem Nasenspray kann ich übrigens nur empfehlen bei Kindern, und zwar vor dem Start. Die Kleinen bekommen dann nämlich in der Regel keine Probleme mit den Druckausgleich, wodurch der Flug insgesamt erheblich entspannt wird; vor allem für die Eltern.

Ein Pool im ClubDreieinhalb Stunden später vollzog der Pilot eine Bilderbuchlandung im türkischen Antalya. Die Prozedur auf dem Flughafen war indes lästig; alleine die Dauer der Passkontrolle ist ein massives Argument für die Aufnahme der Türkei in die EU. Die anschließende Fahrt in den Robinson Club mit einem Bus der TUI war indes eine Unverschämtheit: Satte 50 Minuten gondelte der Bus für 38 Euro durch die Landschaft. Eine Taxe braucht für dieselbe Strecke 30 Minuten und kosten lediglich 2 Euro mehr.

Dann aber folgten die Tage der Entspannung: Die Kinder gingen in die passende Betreuung und die Sonne und das Meer reinigten die Seelen der restlichen Familie. Bis zum 29. April 2006.

An diesem denkwürdigen Freitag schwebten 400 Mitglieder der auch zuhause bekannten T-Family ein. 400 Menschen, des Lesens und Schreibens nicht mächtig, erkennbar nur an den schweinschenfarbenen Halsbändern (oder ab dem 2. Tag auch an den körperlichen Blessuren), bevölkerten den Club, und mir wurde schlagartig klar, was Münteferig wirklich unter Heuschrecken verstand. Bereits am Abend der Ankunft mussten die Kabelleger Ausfälle in den eigenen Reihen hinnehmen, wie etwa verlorene Schneidezähne und aufgeplatzte Augenbrauen; Ballermann 6 ist eben kein Ort, sondern eine Lebenseinstellung.

Vier satte Tage belasteten die Kabelleger das Urlaubsgefühl erheblich, aber letztlich waren sie dann doch alle wieder verschwunden. Hinterlassen haben die Telekomiker einen Eindruck, der nicht nur Vorurteile bestätigte, sondern auch deutlich gemacht hat, warum man besser keine Aktien des Unternehmens kauft und sich für die Telekommunikationsdiestleistungen einen anderen Anbieter suchen sollte. Aber auch die TUI mit ihrer Tochter Robinson hat hier deutlich an Ansehen verloren, denn meine Familie und ich werden solche drittklassigen Absteigen künftig meiden.

Nach weiteren zwei Tagen hatten wir aber den Schock der T-Family überstanden und konnten die letzten Tage genießen; eine Erholung, die dringend notwendig war. Denn kaum waren die von der Telekom strapazierten Nerven entspannt, forderte die Condor den nächsten Tribut. Die Sitzreihen waren im Flieger ähnlich eng angeordnet, wie bereits auf dem Hinflug. Die 32 Euro für die Platzreservierung wurden auch nicht erstattet. Dass aber für Kinder keine Plätze an den Notausgängen reserviert werden dürfen, teilte man uns natürlich erst beim Boarding mit, anstatt bereits bei der kostenpflichtigen Reservierung – Condor braucht halt jeden Cent. Nun hatten wir teuer bezahlte Plätze mit einem Abstand zum Vordermann, der klar macht, warum die Menschen im Flieger Trombosen bekommen.

Und auch wenn es langweilig ist: Warum ist das Essen im Flieger so schlecht? Warum lässt man es nicht einfach weg? Das wäre billiger und würde unendlich viel Müll vermeiden, denn den Fraß (sorry, aber es fällt mir nichts anderes ein) will nun wirklich niemand haben. Und warum die Kinder auf dem Hinflug Malstifte, Puzzels und aufblasbare Flugzeuge bekommen, aber auf dem Rückflug ignoriert werden, wir mir wohl niemand erklären.

Ganz so schlimm, wie es scheint war es aber denn doch nicht. Immerhin verblieben uns 8 Tage voller Sonne und Freizeit, also Erholung pur. Allerdings zu einem doch deutlich höhren Preis. Der Telekom kann ich allerdings nur raten, das Geld lieber in den unrentablen Ausbau von DSL in ländlichen Regionen statt in solche Reisen für die Mitarbeiter zu stecken. Das Auftreten der topas-Gruppe schadete der Telekom, der Bundesrepublik und den Gästen, die wohl künftig keine Kunden mehr sein werden.

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