AbGEZockt 3.0

Das die GEZ ihr Handwerk versteht, hat sie kürzlich mit der Ausweitung der Gebührenpflicht auf Computer-Systeme gezeigt. Und auch beim Thema Gebührenerhöhung ziehen die Verantwortlichen alle Register, seien sie noch so abwegig. Aber auch die Privaten verstehen ihr Handwerk. So bleibt einem nur die Frage, was denn eigentlich besser, oder besser: weniger schlecht ist. Die Privaten bedienen sich dabei einem Instrument, welches dem einen oder der anderen unter der Vorsilbe VG bereits untergekommen ist.

Diesmal geht es aber nicht um die hinlänglich bekannte VG Wort (man erinnere sich: Die VG Wort versucht prozessual zu erzwingen, dass die Hersteller von Druckern für jedes verkaufte Gerät eine Gebühr entrichten sollen), sondern um die VG Media. vollständig nennt sich das Unternehmen, an denen die ProSiebenSat.1 Media AG und die RTL Television GmbH jeweils zu 50% beteiligt sind, VG Media Gesellschaft zur Verwertung der Urheber- und Leistungsschutzrechte von Medienunternehmen mbH. Das hört sich schick an und drückt bereits im Firmennamen aus, dass es um die Verwertung von Urheberrechten geht, mit denen Geld verdient werden soll. Grundsätzlich ist das ja auch in Ordnung, denn wer etwas geschaffen hat, soll als Urheber auch davon profitieren. Das gilt für einen Autor, einen Journalisten, einen Maler und andere Künstler.

Das Kunstwerk, an dem die VG Media verdienen möchte, ist das Programm. Nicht das wir uns falsch verstehen: Nicht das Programm, welches Sie aktuell sehen können, sondern die Daten wie Filmname, Austrahlungstermin, Kurzbeschreibung des Inhaltes etc. Also für diese Daten, die man jeder Tageszeitung oder Fernsehzeitschrift entnehmen kann, möchte die VG Media eine Gebühr, wenn man sie elektronisch nutzen möchte, z. B. mit einem äußerst nützlichen und kostenlosen Programm wie dem TVBrowser.

Dieser Irrsinn hat mich doch dazu veranlasst, den bei den Gesellschaftern der VG Media eine E-Mail zu schicken, die wenigstens von der ProSiebenSat.1 Media AG beantwortet wurde; der RTL Group GmbH war indes keine Antwort zu entlocken:

Message-Id: <47781889.3060507@von-donner.de>

Sehr geehrte Damen und Herren,

da Sie über Ihre Gesellschaft VG Media Gebühren für die Verbreitung Ihres Programmführers erheben wollen, wird es mir neben einigen anderen Personen in Zukunft nicht mehr möglich sein, zu erfahren, welche Sendungen Sie ausstrahlen werden.

Die Veröffentlichung von Programmdaten stellen m. E. Werbung für Ihr Produkt dar. Werbung kostet den Werbenden Geld, nicht dem Beworbenen oder dem Medium als Transporteur. Wenn Sie oder Ihre Gesellschafter Postwurfsendungen in einem Gebiet vornehmen lassen, zahlen Sie an den Dienstleister, z. B. der Deutschen Post AG, dafür einen Betrag, mit dem die Post als Unternehmen nicht nur ihre Kosten deckt, sondern auch einen Betriebsgewinn erzielt. Das ist legitim in einer Marktwirtschaft. Das Gebührenmodell der VG Media jedoch würde bedeuten, dass Ihnen die Post Geld dafür bezahlen müsste, damit Sie eine Postwurfsendung in Auftrag geben. Das mag zwar eine legitime Forderung sein, scheint jedoch äußerst absurd.

Eben jene absurde Forderung stellt nun aber die VG Media, da sie für die EPG-Daten Gebühren erheben will, hier im konkreten Fall des TV Browser, einer Open Source Software (OSS). Dabei könnten Sie eigentlich bedingt durch die Tatsache, dass ein OSS-Projekt überwiegend ehrenamtlich betreut wird, sogar einen Vorteil darin sehen, dass die Kosten der „Postwurfsendung“ nicht durch Sie, sondern durch Spenden Dritter übernommen werden.

Eine spezielle Sendung kann ich nur dann sehen, wenn ich auch weiß, dass Sie ausgestrahlt wird. Um effizient an diese Information zu gelangen, nutze ich den TV Browser, der die Sendetermine sortiert und tabellarisch darstellt. Da nun aber aufgrund Ihres Lizenzmodels die Software die Daten zu Ihren Sendern nicht mehr verwenden kann, wird mir nicht mehr bekannt werden, was Sie wann planen. Und ebenso wenig wie ich viele Zeitungen und Zeitschriften nach einer bestimmten Anzeige oder Werbung durchsuchen würde – Sie täten es sicher ebenso wenig – werde ich diverse Web-Sites täglich nach Programminformationen durchsuchen oder gar für diese, wie bereits gesagt, aus meiner Sicht Werbung, ein Entgelt  entrichten.

Free- und Pay-TV-Sender erhalten Ihr Geld von Ihren Kunden, einerseits den werbenden Unternehmen, andererseits den zahlenden Zuschauern. Die Werbeindustrie zahlt abhängig von den Zuschauerzahlen, die aber nur steigen können, wenn selbige wissen, was Sie senden und die Sendungen auf ihr Interesse stoßen. Zahlende Zuschauer erreichen Sie nur ohne Werbung in den Sendungen und durch entsprechend attraktive Angebote, die sie aber ebenfalls erfahren müssen.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten für die nächste Postwurfsendung 24 Cent bezahlen…

Mit den besten Wünschen für 2008

C. Hinrich von Donner

Und die Antwort:

Message-Id: <8631FFDCBA202C4EA8DDEFAAD32C15EC06D7D978@EXCHANGE2.belgium.fhm.de>

Sehr geehrter Herr von Donner,

vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Die VG Media ist eine Verwertungsgesellschaft, die für derzeit 93 Fernseh- und Hörfunkunternehmen verschiedene Urheber- und Leistungsschutzrechte wahrnimmt, die sich aus dem Urheberrechtsgesetz ergeben. Auch das von Fernsehsendern zur Verfügung gestellte Material für Programmankündigungen (Texte, Bilder, Bewegtbilder oder Audioclips) ist urheberrechtlich geschützt. Die Wahrnehmung dieser Rechte für die Nutzung des Programmankündigungsmaterials in Elektronischen Programmführern (EPG) wurde an die VG Media übertragen. Ab dem 01. Januar 2008 wird die VG Media die Rechte nach dem VG Media Tarif Elektronische Programmführer lizenzieren.

Die Bereitstellung von Programmankündigungsmaterial in EPG stellt für die jeweiligen Anbieter von EPG auf unterschiedlichen Plattformen einen geldwerten Vorteil dar. Nach dem Urheberrechtswahrnehmungsgesetz ist die VG Media zu einer Gleichbehandlung aller Rechtenutzer verpflichtet. Der Tarif der VG Media differenziert daher nicht nach dem Kriterium eines kommerziellen oder nicht-kommerziellen Umfelds des EPG-Angebotes.

Auf Grund dieser Gleichstellungsvorgabe im Gesetz können für die wenigen, kostenlosen und werbungsfreien EPG-Angebote am Markt leider keine Sonderkonditionen gewährt werden. Wir bedauern, wenn Sie als privater Nutzer solcher EPG dadurch Beeinträchtigungen erfahren.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre ProSieben Zuschauerredaktion

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