Selent 2.0

FotoWie die Kieler Nachrichten am Samstag, 19. April, berichten, hat sich die Gemeindevertretung der Gemeinde Lehmkuhlen für die Fortsetzung der Planung für das umstrittene Begegnungszentrum auf Schloss Bredeneek ausgesprochen, und zwar einmütig. Was dabei einmütig bedeutet, bleibt dem Leser wohl verschlossen. Das freie Wikiwörterbuch Wiktonary kennt dieses Wort (noch) nicht, aber Woxion, ein anderes Online-Wörterbuch kennt den Begriff:

einmütig
sich deckend, deckungsgleich, gleichartig, identisch, konform, kongruent, ununterscheidbar, zusammenfallend, gleich, ähnlich, konvergierend, ein und dasselbe, völlig gleich

Und als Synonym für einmütig erfährt man:

übereinstimmend, einstimmig, einhellig, einig, einträchtig, gemeinschaftlich, gleich gestimmt, homogen, konform, solidarisch, einheitlich, gleich gesinnt, harmonisch, eins, vereint

Sollte der Autor des Artikels, der unter dem Kürzel kol schreibt, einstimmig gemeint haben, so muss er sich in seiner Interpretation des Begriffs auf einen Standpunkt zurückziehen, der fraglich ist und von den Medien überwiegend nicht eingenommen wird: Einstimmig bedeutet keine Gegenstimme, aber Enthaltungen werden nicht berücksichtigt. Der Beschluss der acht von 13 anwesenden Gemeindevertretern wurde mit 6 Ja-Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen.

Was der Autor wirklich gemeint haben könnte, bleibt wohl sein Geheimnis. Aber angesichts der überragenden journalistischen Qualität der Beiträge in den Kieler Nachrichten (Weblog „Journalistische Qualität“) sollte auf die Bedeutung einzelner Wörter ohnehin kein großer Wert gelegt werden. Das zeigt sich auch deutlich im weiteren Verlauf des Artikels, in dem ein normaler Feldweg als wassergebundene Piste bezeichnet wird.

Das eigentliche Problem liegt aber nicht in den journalistischen Fähigkeiten einzelner Mitarbeiter einer Tageszeitung, sondern in dem Vorhaben an sich. Der eine oder die andere erinnert sich noch an die immer wiederkehrenden Berichte über die Blomenburg in Selent: Das Projekt ist das sprichwörtliche Fass ohne Boden und kostet den Steuerzahler ein Vermögen. Und eine vergleichbare Fehlallokation von Steuergeldern steht für Bredeneek an.

Das Herrenhaus in Bredeneek, das immer wieder gerne als Schloss bezeichnet wird, vermutlich um den subjektiven Status der Immobilie zu erhöhen, soll zu einem Drittel von den Gemeinden des Amtes Preetz-Land genutzt werden, und zwar als Regionales Zentrum für Bürgerbegegnung und Kultur. Um dieses Drittel baulich in den Griff zu bekommen und vom Schwamm zu befreien, werden Baukosten in Höhe von rund 860.000 Euro veranschlagt. Nun soll es da noch Zuschüsse vom Land geben, so dass die veranschlagte Investitionssumme nur noch rund 520.000 Euro beträgt, aber die Amtsverwaltung wird in dem Beschluss auf einen Eigenanteil von höchstens 400.000 Euro begrenzt. Angesichts der Tatsachen, dass Bausanierungen immer deutlich teurer werden, als dies in den Planungen vorgesehen ist, und letztlich auch Zuweisungen vom Land, dem Bund oder gar der EU nichts anderes als Steuergelder darstellen, ist das optische Herunterrechnen der Investitionskosten nichts anderes als eine Milchmädchenrechnung.

Und die Schönrechnerei geht weiter: Die laufenden Kosten werden auf Seiten des Amtes auf rund 40.000 Euro jährlich gedeckelt, obwohl die Schätzungen des Amtes selbst bereits heute von 42.000 Euro ausgehen. Wenn aber bei einer über 3%igen Inflation bereits von Anfang an Ansätze gewählt werden, die 5% unter den geschätzten Kosten liegen, wie verlässlich können dann diese Ansätze in fünf Jahren sein?

Andere Gemeinden, wie etwa Großbarkau, Klein Barkau, Rastorf, Schellhorn, Wahlstorf und Warnau haben sich bereits vor der Sitzung der Lehmkuhlener gegen das Projekt ausgesprochen (siehe Artikel der Kieler Nachrichten vom 16.4., Seite 28). Auch wenn die Investitionen am Ende in der Gemeinde Lehmkuhlen landen, ist es nicht nachvollziehbar, wie eine knappe Millionen an Steuergeldern in eine Ruine verpulvert werden sollen, die die Familie der Erbauer bereits wegen ihres desolaten Zustandes veräußerte und an der bereits zwei private Investoren sich trotz erheblicher öffentlicher Mittel alle Zähne ausgebissen haben.

Angesichts dieses Irrsinns mag man wohlwollend über die unzureichende und fehlerhafte Berichterstattung einer kleinen Kieler Tageszeitung hinwegsehen…

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