Politischer Populismus

Da stiegen die Preise für Agrarrohstoffe so erheblich, dass es direkte und massive Auswirkungen auf die Endverbraucherpreise hatte, und sofort hat die politische Kaste ein neues Wahlkampfthema gefunden. Aber es sind eben nur Worthülsen, wie man sie von Politikern eben gewohnt ist.

Zwar geht es hier nicht um Politik, aber dennoch haben politische Maßnahmen einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Gewinne der an der Agrarproduktion beteiligten Unternehmen. Das Schreckgespenst dieser Diskussion sind mögliche Eingriffe in den Marktpreis vor allem bei Weizen, Roggen, Raps und Mais. Allerdings scheint sich mittlerweile die Meinung durchzusetzen, dass derartige Eingriffe kaum möglich sind. Zum einen müssten sie von der EU vorgenommen werden, die bekanntlich maßgeblich für die Agrarpolitik ist, zum anderen würde eine politisch motivierte Reduktion der Produktionsmenge kaum auf Verständnis bei den Nachfragern führen. Und auch bei der immer wieder geforderten Streichung der Subventionen haben die Politiker und Bürokraten kaum einen Handlungsspielraum. Bei den sogenannten Beihilfen, die jeder Landwirt erhält, handelt es sich um einen Schadensersatz für einen Markteingriff der EU vor knapp 20 Jahren. Diese Entschädigung wird kontinuierlich reduziert und sicher auch vor 2020 abgeschafft werden, kann aber aufgrund ihres Wesens, nämlich der Schadensersatz, kaum kurzfristig von den Politikern beeinflusst werden. Die EU kann nur einzelne Subventionen z. B. im Tabakanbau oder vor allem die Exportsubventionen streichen. Beide dürften indes keinen nennenswerten Einfluss auf den europäischen Preis haben.

Deutschland könnte darüber hinaus strukturelle Subventionen wie etwa die Dieselölbeihilfe streichen, träfe damit aber fast ausschließlich die kleinen und kleinsten Betriebe, die besonders im Süden der Republik existieren und dort eine starke Lobby haben. Es bleibt also für Merkel und Co beim altbekannten Spruch: Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter…

Wesentlich interessanter stellen sich die extremen Schwankungen bei den Erzeugerpreisen dar. So pendelte der Weizenpreis in den vergangenen 18 Monaten in Paris zwischen 140 und 290 Euro/t und befindet sich derzeit bei rund 190 Euro/t. Noch interessanter ist die Tatsache, dass die größten Preisanstiege im vergangenen Sommer, also kurz vor und während des Platzens der Kreditblase stattfanden, die stärkste Konsolidierung aber zur Zeit läuft. Gleichzeitig liest man diese Tage, dass die Krise wenn auch nicht überwunden, doch zumindest eingepreist sei. Es drängt sich der Verdacht auf, dass eine Reihe größerer Investoren aus den Kapitalmärkten in die Commodities geflüchtet sind, nun aber wieder in Aktien investieren. Aus dieser Sicht würde ich einen DAX von 8000 für wahrscheinlicher als einen von 6000 halten.

Aber auch wenn die Agrarrohstoffe derzeit das Preisniveau konsolidieren, so sehe ich kein Ende des mittel- bis langfristigen Trends. Die weltweite Getreideproduktion wurde jüngst auf 1,706 Milliarden Tonnen geschätzt, wobei der Internationale Getreiderat (ITG) von einer weltweit überdurchschnittlichen Ernte ausgeht. Gleichzeitig aber wird der Verbrauch auf 1,710 Milliarden Tonnen geschätzt, was einem Defizit von 4 Millionen Tonnen entspricht. Es ist zwar ein relativ kleines Defizit, aber es reduziert die Lagerbestände weltweit zum 4. Mal in Folge. Und die Ernte beginnt in Europa erst in 6 bis 8 Wochen – eine lange Zeit für eine wetterabhängige Branche.

Unter diesen Prämissen gilt es, sich auf Unternehmen der Branche zu fokussieren. Düngemittelhersteller konnten beispielsweise die Preise um knapp 150% erhöhen, vor allem im Hinblick darauf, dass die Produktionsmittel knapp sind. Wer beispielsweise einen Dünger namens SSA bestellt, wird die neue Aussaat im Herbst damit nicht versorgen können: Lieferung nicht vor 2009. Deutlich zu erkennen ist diese Situation bereits bei einem Basisinvestment, der K+S AG (WKN 716200), die vor gut zwei Jahren in mein Versuchsdepot zu €64,92 aufgenommen wurden, heute aber bei €315,33 notieren. Und auch wenn der offensichtlich von Viagra gesponserte Chart Angst macht, bleibt die K+S AG ein Basisinvestment. Alternativ könnte man Potash (878149) in Betracht ziehen, wobei ich persönlich Mosaic (A0DK91) bevorzugen würde. Bei US-Werten gilt natürlich immer, dass das Währungsrisiko nicht außer Acht gelassen werden darf.

Und auch die Landmaschinenhersteller haben volle Bücher. So haben einige ehemalige GUS-Länder eine Subvention eingeführt, die dem Landwirt 50% seiner Investitionskosten bei Landmaschinen abnimmt. Hier hat vor allem der US-Hersteller John Deere (850866) reagiert und den Export genau dorthin gelenkt. Wer in Deutschland eine Maschine der 8000er-Serie kaufen möchte, bekommt diese nicht vor Mitte 2009, da die gesamte Produktion in die ehemaligen GUS-Staaten läuft. Und dort, so hört man, werden keine Preisverhandlungen geführt, sondern 120% des Listenpreises durchgesetzt. Auch wenn ich eigentlich konservativ eingestellt bin, würde ich hier durchaus den Erwerb von Call-Optionen in Erwägung ziehen.

Um den geneigten Leser nicht zu ermüden, möchte ich mit einem kleinen Blick ins Versuchsdepot zum Ende kommen. Ohne Artikel hier habe ich Lindsay (904057) und Mosaic, beides US-Werte, aufgenommen. Insgesamt bin ich mit der Entwicklung auch unter Ausblendung des Blockbusters K+S zufrieden. Auch die eierlegende Wollmilchsau scheint die Erwartungen zu erfüllen, auch wenn man diese nun mit einem Stopp absichern sollte.

Insgesamt hat der Sektor die letzten Wochen ganz gut konsolidiert. Zwar besteht noch Risikopotential, aber aus meiner Sicht überwiegen auf 12 bis 24 Monate die Chancen deutlich.

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