Schweinezyklus

Zitate rund um die Börse, Börsenkurse oder die Wirtschaft im Ganzen gibt es wie Sand am Meer. Der so genannte Schweinezyklus kennzeichnet dabei das ständige Auf und Ab an den Märkten für Schweinefleisch. Aber im Gegensatz zu dem Auf und Ab an den Börsen der letzten Wochen basiert der Preis für Schweinefleisch auf der Angebotssituation. Und da Fleisch nur begrenzt haltbar ist, eignet sich dieser Sektor der Agrarwirtschaft nur begrenzt für Spekulanten.

Das Versuchsdepot ist derzeit leer. Und so denn man die Stoppkurse beachtet hat, dürfte ein ordentlicher Gewinn gesichert worden sein, den man derzeit am besten im Festgeld parken sollte, vielleicht mit Fälligkeit in 2009, so dass lediglich 25% Abgeltungsteuer anfallen (hängt natürlich vom eigenen Steuersatz ab). Aber wie bei Zertifikaten gilt auch hier: Bonität der Bank beachten.

Engagements lohnen sich aus meiner Sicht derzeit nicht, es sei denn, man spielt mit einem höchstens 1%igen Verlustrisiko auf fallende Indizes in Deutschland, Europa oder den USA. Und solange jede Woche eine neue Sau durchs Börsendorf getrieben wird, ist man lieber Zuschauer als getriebene Sau. Langsam kritisch wird es aber für Investments, die langfristig gehalten werden sollen, um später mal die Rente oder Ausbildung der Kinder zu finanzieren. Hier entsteht langsam Druck durch die Abgeltungsteuer. Aber nun zu den Schweinen: Nach zwei Wochen Urlaub in einem Teil von Afrika, wo Schweinefleisch verpönt ist, lässt sich der Blick auf die Sauerei schärfen. Die nachfolgende Liste von Begriffen, Vermutungen und Stichwörtern soll als Gedankenstütze dienen, um sich im chaotischen System der Fallgruben, Fangnetzen, Schwanenhälsen und Dolchen bewusst zu werden. Natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

ABS-Verbriefung, Zwangsversteigerung, Inflation, Carry-Trades, Hedge-Fonds, Leerverkauf, Immobilienblase, Spekulanten…

Auch die Agrarrohstoffe und Aktien von Unternehmen, die in diesem Sektor tätig sind, sind gewaltig unter die Räder gekommen. Eine der Hauptursachen dürfte in den Auflösungen von Spekulativen Kontrakten zu suchen sein. Hedge-Fonds verkaufen jede Asset-Klasse, ohne Rücksicht auf Verluste, um Cash zu generieren. Der Preis für Weizen z. B. liegt derzeit in Paris bei rund 140 EUR/t und ist damit unter die europäischen Produktionskosten gefallen.

Das Angebot ist zur Zeit hoch, da die Ukraine und Russland außerordentlich gute Ernten vorzuweisen hatten, und vor allem die Ukraine derzeit extrem auf Devisen angewiesen ist. Hinzu kommt, dass die europäische Ernte erstmalig die seit Jahren zwangsweise stillgelegten Flächen wieder beerntet hat, so dass neben der ertragreichen Ernte auch ein Flächenzuwachs von rund 10% den Markt belastet. Die Spekulanten dürften inzwischen den Markt überwiegend verlassen haben, so dass der Preis die kurzfristige Angebotslage widerspiegelt.

Aber an den starken Wachstumsraten der Volkswirtschaften der Schwellenländer, vor allem China, wird sich mittelfristig nicht viel ändern, selbst wenn die Weltwirtschaft rezessive Tendenzen aufweisen sollte. Und da sich Angebot und Nachfrage bei den Agrarrohstoffen in etwa die Waage halten und es weltweit keine üppigen Lagerbestände gibt, dürften schon geringe Nachfragesteigerungen zu Preissteigerungen führen. Auch führt der reduzierte Rohölpreis nicht zu einer unmittelbaren Verringerung der Produktion von Bio-Energie. Viele Anlagen sind als Black-Box konzipiert und finanziert worden und werden die kommenden 10 bis 20 Jahre weiter laufen. Und auch durch die politischen Maßnahmen, die im Kontext des so genannten Klimaschutzes aufgelegt wurden, werden weiter abgefragt (kein Wunder, bekommt doch bei der KfW jeder Geld).

Und auch die Produktionskosten sprechen eher für wieder steigende Preise, denn diese sind bisher weder beim Dünger und Pflanzenschutz noch bei den Investitionsgütern gesunken. Im Gegenteil: Investitionsgüter sind nach wie vor knapp (Spritzen, Schlepper und Bodenbearbeitung weisen teilweise Lieferzeiten von mehr als einem Jahr auf) und deutlich teurer als vor Jahresfrist. Und trotzdem sind alle beteiligten Unternehmen unter die Räder gekommen, zumindest hinsichtlich der Börsenkurse.

M. E. wird diese Sippenhaft noch andauern, und sich mit jeder neuen Sau, die durchs Dorf getrieben wird, erneut zeigen. Also kein guter Zeitpunkt für den Einstieg.

Die Sau Konjunkturprogramm in Deutschland, bei der 50 Mrd. Euro unter die Leute gebracht werden sollen, gehört auch dazu. Neue Schulden braucht das Land, um diesen Wahnsinn zu finanzieren. Dabei ist Deutschland ohnehin im Vergleich zu anderen Staaten viel zu hoch verschuldet, ohne dass man den 700 Mrd. Euro teuren Regenschirm einbeziehen müsste.

Die Sau Niedrigzinsen ist so richtig fett, also gefährlich. Japan hat seit einer Ewigkeit extrem niedrige Zinsen, ohne dass es der Wirtschaft maßgeblich geholfen hätte. Stattdessen steigt die Geldmenge und damit die Inflationsgefahr. Und das viele Geld rennt rund um den Globus (Carry-Trades) und zeigt am Yen-Kurs der letzten Wochen, welche gewaltigen Volumina dahinter stehen müssen. Dagegen sind die Regenschirme der Politiker nicht mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Und die Amerikaner holen derweil wegen der fehlenden Mittel zuhause das Geld aus der Welt zurück, was man am Dollarkurs und den osteuropäischen Märkten sehen kann. Noch ein Ferkel somit, aber vielleicht bald die nächste Sau ist damit das US-Handelsdefizit, welches sich in den letzten Jahrzehnten nur deshalb nicht negativ ausgewirkt hat, weil die Assets der Amerikaner im Ausland um ein Vielfaches höher gewesen sind.

Neben der amerikanischen Sau Immobilienblase gibt es auch eine Europäische, die auch noch ein Ferkel ist. Die Blase lässt gerade vor allem in England und Spanien die Luft ab, die das Ferkel zur Sau werden lässt. Kürzlich war im Handelsblatt zu lesen, dass es vor allem deutsche Banken sind, die dortige Immobilien finanziert haben.

Die Sau Staatsgarantie für Einlagen bei deutschen Banken sollte auch erhebliche Bauchschmerzen bereiten. Der Staat kann im Falle des Falles die Garantie wohl nur durch das Drucken von frischem Geld erfüllen.

Und was passiert eigentlich wenn? Jede Sau zieht eine neue, übel riechende Dunstwolke hinter sich her…

Nun darf man nicht alles nur Schwarz malen. Deutschlands größte Anlegerzeitung, die BILD, schreibt immer häufiger von Schwarzen Börsentagen (gibt es eigentlich noch Wochentage, die nicht schwarz waren). Das erinnert an den Internethype vor dem Platzen der zugehörigen Blase. Vielleicht ist das ein Indikator, dass in absehbarer Zeit ein Ende der Abwärtsbewegung kommt. Und auch Großinvestoren wie Herr Buffet deckt sich mittlerweile wohl ein, was angesichts des Volumens nur Schrittweise erfolgen kann, aber auch ein zumindest nicht negatives Signal ist.

Aber kurzfristig würde ich eher Claus folgen: Nächstes Ziel 3600, und dann Richtung 2200. Das Window-Dressing zum Jahresultimo dürfte in diesem Jahr wohl baerish ausfallen…

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Über hinrich7

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