Vereinsmeierei

Es war einmal ein Sportverein. Der hatte natürlich, wie jeder andere Sportverein auch, einen Vorstand. Dieser bestand aus vier Personen – insoweit eigentlich auch nichts Besonderes. 1999 wurde dieser Vorstand auf vier Jahre neu gewählt. Der neue Vorsitzende – ehrfurchtsvoll auch Präsident genannt – war genau der richtige Mann für diesen Job. Er hatte Zeit, er hatte Geld und er stand mit jeder Faser seines Körpers hinter dem Sport. Aber eigentlich wollte Hubert gar nicht Präsident werden und so mussten ihm die anderen drei Mitglieder des Vorstandes vor der Wahl erst überzeugen. Ernst, Klaus und Peter mussten zunächst einiges an Überzeugungsarbeit leisten, bevor Hubert zustimmte und bereit war den Vorsitz zu übernehmen.

Kaum im Amt ging dieser neue Präsident, nennen wir ihn einfach Hubert, eine große Aufgabe an: Deutschland sollte Austragungsort der Weltmeisterschaft werden. Zunächst wurde ein möglicher Austragungsort gesucht. Nachdem dieser gefunden war. Verhandlungen und Gespräche sowohl mit den Verantwortlichen an dem avisierten Austragungsort als auch mit den Vorständen des internationalen Dachverbandes geführt. Am Ende dieser langen Prozedur stand dann ein Termin für das hehre Ziel der Weltmeisterschaft: 2002 sollte es soweit sein.

Im Jahr 2000 begannen dann die Vorbereitungen. Planungen entstanden, Verträge wurden geschlossen, und viele kleine Details wurden mit vielen anderen Mitgliedern aus dem Verein gesprochen, organisiert und festgelegt. Es gab vieles zu bedenken Dinge wie etwa der Umgang mit den internationalen Funktionären, kleine Dinge wie etwa ausreichend Parkraum für die Gäste und Teilnehmer des Wettkampfs zu schaffen. Auch die Frage nach der Unterbringung war von Bedeutung, denn man erwartete über 600 Teilnehmer, viele in Begleitung, und dazu auch noch Zuschauer und Besucher die nicht in der Region wohnten. Und um das alles zu testen, wurde für 2001 ein internationaler Wettkampf angesetzt. Bei dieser Generalprobe wurden zusätzlich Schiedsrichter ausgebildet, das Personal vor Ort geschult und alle großen und kleinen Details für eine internationale Veranstaltung dieser Größe peinlichst genau überprüft.

Und dann passierte etwas, was nicht hätte passieren sollen, und eigentlich auch nicht hätte passieren dürfen. Hubert, der Präsident, der Kopf, an dem alles zusammenlief, teilte Klaus, Ernst und Peter im Dezember 2000 mit, dass er unheilbar erkrankt sei. Hubert starb im August 2001, wenige Tage nach der „Generalprobe“.

Die Beerdigung war, die Trauer auch. Aber Klaus, Ernst und Peter hatten bereits im Frühjahr 2001 begriffen, dass sie handeln mussten. Sie wussten, dass Hubert die Weltmeisterschaft wohl nicht mehr erleben würde, und sie mussten Wege finden, damit diese Veranstaltung dennoch ein Erfolg werden würde. Absagen konnten sie die Veranstaltung nicht mehr – dafür war es zu spät.

Zunächst einmal war es notwendig ein neues Vorstandsmitglied zu bestimmen. Klaus, der Hubert kurz vor seinem Tod versprochen hatte, dass er dafür sorgen würde, dass die Weltmeisterschaft ein Erfolg würde, hatte sich Andreas ausgeguckt. Andreas war ein junger Mann seinerzeit, und es wenige Jahre im Verein mitglied. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass von dem einen oder anderen Mitglied das eine oder andere kritische Wort angemeldet wurde. Aber letztlich schien Andreas eine gute Wahl zu sein: Zwar war er erst die wenige Jahre dabei, dafür aber umso engagierter. Also wurde Andreas schließlich in den Vorstand gewählt. Was Klaus aber damals nicht wusste: Es war der Wolf im Schafspelz.

Die Weltmeisterschaft wurde ein voller Erfolg. Über 620 Teilnehmer aus mehr als zehn verschiedenen Ländern trainierten und kämpften eine Woche lang im Süden Deutschlands um den Titel des Weltmeisters. Hubert wäre sicher stolz gewesen, wenn er das hätte erleben können.

Im Winter 2002 stellte sich dann aber heraus, dass Peter seinen Aufgaben insgesamt offensichtlich nicht ganz klar gekommen ist. Es gab einige Differenzen, die der Vorstand auf einer Krisensitzung im Januar 2003 besprach. Hierbei wurde dann auch das weitere Vorgehen festgelegt, welches darin endete, das auf einer weiteren Krisensitzung im Mai 2000 von seiner Funktion entbunden und als Mitglied suspendiert wurde. Andreas aber, dem offensichtlich der Sinn nach höherem Stand, hatte das Frühjahr erfolgreich genutzt, um andere Mitglieder für seine Sache zu gewinnen: Er wollte Präsident werden. So wurden Intrigen gesponnen, Lügen verbreitet und dergleichen mehr. Klaus und Ernst besprachen sich und kamen zu dem Ergebnis, dass es kein Ehrenamt wert sei, sich sein Hobby vermiesen zu lassen. Im Juli 2003 traten sie gemeinsam von ihren Ämtern zurück. Und auf der nächsten Mitgliederversammlung hatte Andreas das erreicht was er wollte: Er wurde zum Präsidenten gewählt und die Revision war vollbracht.

Damit aber nicht genug. Andreas wollte alle Widersacher zum Schweigen bringen: Einige wurden aus dem Verein ausgeschlossen, andere Schadenersatzprozessen überzogen. Auch Klaus sollte ausgeschlossen werden, wogegen sich jedoch die Mitglieder aussprachen.

Szenenwechsel: 2010, Andreas ist nach wie vor Präsident des Vereins. Aber die Geschichte wiederholte sich: Vor ein paar Jahren gab es, nennen wir sie mal Meinungsverschiedenheiten, unter den Vorstandsmitgliedern. Andreas sorgte in der ihm eigenen Art dafür, dass die Widersacher aus dem Weg gehen mussten. Aber ein neues Vorstandsmitglied, von dem Andreas dachte, es sei der richtige Mensch, entpuppte sich schließlich als Wolf im Schafspelz. Im Vorfeld passierte Ähnliches wie 2003, Intrigen, Lügen und all das was man kennt, aber nicht mag. Im August 2010 wurde Andreas abgewählt.

Diese Geschichte ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zu real existierenden Personen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt. Diese Geschichte könnte sich so, oder aber zumindestens in ähnlicher Form zugetragen haben. Ich hab schon häufiger in Vereinen und ähnlichen Strukturen die Begehrlichkeiten gesehen und erleben müssen, die manchem machtbesessenen und selbstherrlichen Menschen anhaftet.

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