EHEC

Da haben wir den Salat: Seit dem Wochenende kocht in den Medien langsam die nächste bedrohliche Krise hoch: EHEC. EHEC ist eine Abkürzung für „Enterohämorrhagische Escherichia coli”, also E.coli-Bakterien. Auch wenn die Lage in den Medien als dramatisch dargestellt wird, kann man das heute wohl nicht wirklich bewerten. Bei rund 200 Verdachtsfällen in Schleswig-Holstein (Stand 16 Uhr) liegt das Risiko in etwa bei 1:10.000, ist also vergleichbar mit der Anzahl von Verkehrstoten in Bezug auf die zugelassenen Pkw. Und da wir auch noch regelmäßig Auto fahren, dürfte derzeit keine Panik angebracht sein.

Vermutet wird, dass das Ausbringen von Gülle Gemüse oder Obst verunreinigt haben könnte. Das kann natürlich sein, wenngleich ich es für wenig wahrscheinlich halte. Ein Landwirt verteilt keine Fäkalien über die Früchte die er essen möchte.

Die Verwendung von Gülle, Mist und Klärschlämmen ist prinzipiell zu begrüßen, entspricht die Nutzung von Fäkalien doch dem Gedanken eines Stoffkreislaufs. Gülle bezeichnet dabei die Fäkalien, die bei der Nutztierhaltung von im wesentlichen Schweinen und Rindern anfallen, Mist kann ebenfalls bei der Rinderhaltung anfallen, fällt jedoch häufiger bei der Vogelmast (Hühner, Puten, etc.) an. Klärschlämme sind menschliche Fäkalien. Klärschlämme werden dabei sehr genau analysiert, da der Landwirt regelmäßig Kontaminierungen mit ungewollten Stoffen (Schwermetalle etc.) befürchtet. Aber wie jeder Dünger werden auch Gülle, Mist und Klärschlämme ausgebracht, wenn die Pflanze diese Stoffe aufnehmen und umsetzen kann. Das ist eigentlich immer vor der Bildung der Frucht und regelmäßig vor der Blüte. Deshalb kann zum Beispiel Mehl eigentlich nicht kontaminiert sein, da die Ausbringung lange vor dem Schieben der Ähren stattfindet.

Aber mal meine eigene kleine Hypothese zu den Dingen:

Irgendein landwirtschaftlicher Betrieb hat Gülle oder Klärschlämme, also Fäkalien, auf einem Acker ausgebracht, auf dem ein pflanzliches Nahrungsmittel produziert wird, welches den Fruchtkörper bzw. die für den Verzehr vorgesehenen Bestandteile bereits ausgebildet hat. Gewisse Gemüse und Obstsorten dürften somit ausscheiden.

Weiter machen die Medien uns Glauben, dass Frauen häufiger zu den Verdachtsfällen gehören als Männer. Dafür kann es eigentlich nur zwei Gründe geben: Entweder ist das objektive Risiko für Frauen größer, weil sie mehr Rohkost essen während Männer allenfalls ein paar Tropfen Zitrone an das Schnitzel lassen, oder sie sind gefährdeter, weil sie sich bereits durch das Zubereiten von Speisen infizieren können. Gegen ein unterschiedliches Ernährungsverhalten könnte sprechen, dass Kinder eher selten betroffen sind, aber nach meinem subjektiven Empfinden Mütter sehr auf die Ernährung der Kleinen achten. In ein paar Tagen wissen wir sicher mehr…

Interessant ist auch, dass sich die Verdachtsfälle auf den gesamten norddeutschen Raum verteilen. Dies lässt wohl darauf schließen, das die Verteilung der kontaminierten Lebensmittel durch den Handel erfolgte. Ob hierbei nur eine einzelne Handelskette betroffen ist, oder die sich Verteilung über den Großhandel auch auf die regionalen Wochenmärkte erstreckte, wissen wir (noch) nicht. In jedem Fall aber scheint es sich um eine Charge zu handeln, die Anfang bis Mitte Mai in den Umlauf gekommen ist.

Für die weitere Verortung der Herkunft muss nun zunächst die Pflanzenart bekannt sein. Kohlarten scheiden wohl aus, da sie um diese Jahreszeit zum einen nicht frisch bezogen werden können und zum anderen auch nicht wirklich zu dieser Zeit gegessen werden. Andere, frische Gemüse- und Obstsorten beziehen wir derzeit aus südlichen Ländern, so dass es eine gewisse Vermutung dafür spricht, dass die Früchte von dort gekommen sind. Da aber auch gefrorene Lebensmittel ursächlich sein können, darf man auch diese nicht ausschließen.

Alternativ muss auch darüber nachgedacht werden, dass es keine Gülle gewesen ist. Aufgrund des trockenen Frühjahrs sind viele Kulturen künstlich bewässert worden, so dass es auch möglich scheint, dass kontaminiertes Wasser (unabsichtlich oder vorsätzlich) verwendet wurde. Dieses wäre eigentlich der schlimmste aller Fälle, weil dann insbesondere Spargel oder Erdbeeren betroffen sein könnten.

Im Idealfall werden die Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts nur eine einzelne Handelskette ausmachen, so dass der Ursprung sowohl hinsichtlich der Lebensmittelart als auch des produzierenden Betriebs sehr schnell ausmachen lässt. Bis dahin heißt es: Hygiene einhalten, sowohl beim Zubereiten von Speisen als auch beim körperlichen Kontakt untereinander.

Update 26.5.

Spanische Gurken sollen nun also Träger des Bakteriums sein. Diese Erkenntnis ist nun der erste Schritt, um die weitere Verbreitung wirksam unterbinden zu können. Gleichzeitig dürfte sich der Verdacht erhärten, dass kontaminiertes Wasser ursächlich ist.

Update 30.5.

Da in den betroffenen Anbaugebieten die Pflanzen nicht mit Gülle behandelt werden (können), scheidet diese Variante der Kontaminierung wohl aus.

Zum eingangs dargestellten Risiko muss an dieser Stelle die Zahl auf unter 1:5.000 für Schleswig-Holstein korrigiert werden. Und wahrscheinlich wird diese Zahl nochmals halbiert werden müssen, so dass das individuelle Risiko durchaus beträchtlich ist. Aufgrund der Inkubationszeit muss aber auch gesagt werden, dass wenn, dann ist es schon passiert… Behandeln kann man die Infektion allerdings, wenn auch nur unter schwierigen Bedingungen. Was jedenfalls keinesfalls hilft, ist Homöopathie.

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