EHEC, quo venis?

Die Entwicklung um die Verbreitung des EHEC-Erregers beunruhigt, vor allem wohl deshalb, weil man die Quelle nicht kennt und sich ein Gefühl der Hilflosigkeit breit macht. Und die Meldung vom 31. Mai, nach der die spanische Gurke nicht den Infektionsherd darstellte und man diesen nicht einmal ansatzweise kenne, verbessert dies persönliche Befinden, zumindest bei mir, nicht. Allerdings ist die Gurke an sich nun nach den Sprossen erneut in den Fokus gerückt.

Es ist also höchste Zeit, sich auch als betroffener Laie mit den Fakten auseinanderzusetzen. Vieles über die möglichen Infektionswege und möglichen -herde prasselt dabei seit Tagen kontinuierlich aus den Medien in unser Hirn. Dabei haben sich einige Muster herausgebildet, die einer Erklärung bedürfen. Im einzelnen meine subjektiven Beobachtungen mitsamt meinen subjektiven Hypothesen:

Örtliche Verbreitung

Die anfänglichen Infektionen konzentrieren sich auf Norddeutschland. Es lässt sich aber derzeit nicht feststellen, ob kontaminierte Lebensmittel gekauft und selbst zubereitet oder in einem Restaurant oder einer Kantine verzehrt wurden, wenngleich hinsichtlich der Sprossen die Lieferketten zu einem einzelnen niedersächsischen Betrieb zurückverfolgen lassen. Gleichzeitig ist keine lokale Häufung erkennbar, der auf einen einzelnen oder einige wenige Erzeugerbetriebe schließen ließe (auch Menschen, die in hessischen Kantinen versorgt wurden, erkrankten). Dies lässt vielleicht darauf schließen, dass die Verteilung kontaminierter Lebensmittel durch den überregionalen Handel erfolgt.

Verteilung

Bemerkenswert scheint, dass derzeit rund 70% der erkrankten Personen weiblich sind; auch Kinder sollen weniger betroffen sein. Das lässt, so die Medien, zwei Schlüsse zu: Entweder hat es etwas mit der Zubereitung von Speisen zu tun, oder das Ernährungsverhalten von Männern und Frauen ist unterschiedlich.

In diesem Zusammenhang wurde auch berichtet, dass Erdbeeren wahrscheinlich nicht die Keime tragen, da es dann erheblich mehr erkrankte Kinder geben müsse. Diese essen ja bekanntlich Erdbeeren gerne, wobei dann dieses Argument eigentlich auch für die (spanischen) Gurken hätte gelten müssen, denn nach meinem subjektiven Eindruck hat mindestens die Hälfte der Kinder im Kindergarten und der Grundschule Gurke in der Brotdose für das Frühstück.

Hypothese

Wenn ich nun also die beiden quantitativ feststellbaren Merkmale in meine eigene Hypothese hinsichtlich eines möglichen Keimträgers bringe, dann bleiben eigentlich nur folgende Produkte über, die man nun vorerst meiden sollte:

  • Rohkost, aber wohl kein Obst, welches von Kindern gerne gegessen wird. Persönlich würde ich die Infektion bei der Zubereitung von Speisen für eher weniger wahrscheinlich halten, aber natürlich nicht ausschließen.
  • Sprossen und Kräuter (wie beispielsweise Petersilie). Beide Produkte werden allerdings in Restaurants häufiger als in den Küchen der typisch deutschen Haushalte verwendet, so dass die Geschlechterverteilung bei den Erkrankten eher gegen diese Möglichkeit spricht.
  • Joghurt enthält ohnehin Bakterien und steht bei den Frauen sicher eher auf dem Speiseplan als bei den Männern und Kindern. Um diese Frage einer Wahrscheinlichkeit unterziehen zu können, müssten die Fallzahlen der erkrankten Personen nach „Hat zuhause gegessen” und „Hat im Restaurant gegessen” unterschieden werden. Im Restaurant müsste davon ausgegangen werden können, dass es bei der Verteilung der Krankheitsfälle keine oder eine nur geringe Geschlechter spezifische Abweichung gibt.
  • Stilles Mineralwasser, denn dieses wird nach meinen subjektiven Empfinden wesentlich mehr von Frauen (gleich welchen Alters) als von Kindern oder Männern getrunken. Der Fokus liegt dabei auf Stillem Wasser, da E.coli in Mineralwassern mit Kohlensäure nicht existieren können. Dies hat mir ein Mikrobiologe (Dr. Norbert Langfeldt, Soldat und u. a. für die Trinkwasseraufbereitung in Afghanistan tätig gewesen) erklärt. Zudem sei Stilles Wasser unter Hygienegesichtspunkten ohnehin problematisch.

In Schleswig-Holstein existieren fünf Hersteller von Mineralwassern, deren Produkte, unter eigenen Namen wie unter fremden Labels, teils sehr regional verteilt werden. Deren Stille Wasser werden zum Teil nur recht regional verkauft, so dass sowohl die Verbreitung als auch die Verteilung hierdurch erklärbar wären.

Weiterhin wird die Hypothese, Stilles Wasser könnte den Infektionsherd darstellen, genährt durch die Tatsache, dass es im vergangen Herbst in Schleswig-Holstein außergewöhnlich viel Niederschlag gegeben hat. In manchen Regionen ist zwischen September und November mehr als die Hälfte des Jahresdurchschnitts an Regen gefallen. Dabei ist sicher auch der eine oder andere Güllebehälter übergelaufen, da diese in der Regel im Gegensatz zu den Einrichtungen der Biogasanlagen nicht überdacht sind.

Ob der Infektionsherd jemals gefunden werden kann, bleibt fraglich. E.coli ist außerhalb seiner wohl definierten Umgebung (warm, feucht etc.) nicht sehr resistent, sondern nach wenigen Stunden dahin geschieden. Beim Mineralwasser ist die Kontrolldichte zudem sehr hoch, wenn auch nicht kontinuierlich. Vielleicht sind aber ein paar tausend Liter kontaminierten Wassers durchgeflossen und nicht entdeckt worden (sonst wäre ja bereits Ware zurück gerufen worden).

Der Angst, die die Medien derzeit schüren, darf man sich aber nicht hingeben. Derzeit existieren rund 3.000 Fälle (bestätigte wie Verdachtsfälle), was bundesweit weniger als 0,4‰ und selbst für den norddeutschen Raum weniger als 1‰ der Bevölkerung bedeutet. Bei den Erkrankten liegt die Sterblichkeit bei rund 1%, also 0,004‰ der Bevölkerung (zum Vergleich: bei der Pest 1347 – 1353 starben etwa ein Drittel der Erkrankten, bei der Spanischen Grippe lag die Sterblichkeit bei über 2,5% und bei der Schweinegrippe lag diese bei 0,4%; normale Grippewellen ziehen eine Sterblichkeit von rund 0,1% nach sich).

Das persönliche Risiko kann zudem durch das eigene, bewusste Verhalten um ein Vielfaches minimiert werden. Neben der Vermeidung der vorstehend genannten Produkte gehört auch die Meidung von Rohmilchprodukten dazu, wenn man den Ursprung nicht kennt (und ja, ich trinke die Milch vom Bauern aus dem Dorf weiterhin), sowie die ausgeprägte Hygiene, die man ja vom jährlich wiederkehrenden Norovierus kennt.

Links

PS: Tut mir leid, dass die Aktualisierung den einen oder anderen Link beschädigt hat…

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2 Antworten zu EHEC, quo venis?

  1. U. Wunder schreibt:

    Ich habe von Anfang an nicht daran geglaubt, das die Gurken die Bakterienträger sind, ich glaube inzwischen auch, das Mineralwasser die Quelle ist, über die der fiese EHEC-Keim übertragen wird!

  2. alarmfrosch schreibt:

    Den Minerlwasser-Hinweis habe ich dem RKI und dem Ministerium für Verbraucherschutz bereits vor 1 Woche gegeben. Man rief mich zurück und sagte, der Hinweis würde ernst genommen. Trotzdem reden alle immer weiter über den Verzehr von Rohkost. Viele der erkrankten Frauen hätten aufgrund ihres Gesundheitsbewusstseins Salat gegessen. Ob sie dazu Mineralwasser oder Apfelschorle oder was auch immer getrunken haben, fragt offenbar niemand.

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