Lebensmittelsicherheit

EHEC, das war und ist das Schlagwort der letzten Wochen. Und auch wenn sich die Hysterie um das Bakterium langsam legt, so rückt gleichzeitig die Lebensmittelsicherheit ins Zentrum der Diskussion. Und da ein Großteil der Lebensmittel direkt oder indirekt aus der landwirtschaftlichen Urproduktion stammt, steht vor allem die Landwirtschaft im Fokus.

Die moderne Landwirtschaft wird von den Medien immer wieder gerne kritisiert und auch in den letzten Wochen wurde wurde die Verwendung von Gülle als Dünger als möglicher Herd der Kontaminierung von Lebensmitteln ins Gespräch gebracht. Allerdings ist der Gedanke allein abstrus.

Beim ordnungsgemäßen Einsatz der Gülle (oder auch von Mist und Klärschlämmen) bei Getreideanbau wird diese entweder auf das unbestellte Feld oder im Winter auf die aufgelaufene Saat ausgebracht. Im ersteren Fall wird die Gülle dann unmittelbar im Zuge der Vorbereitung des Saatbetts in den Boden eingearbeitet. Im Falle der Winterausbringung wird die Pflanze an sich zwar mit der Gülle in Berührung gebracht, allerdings weist diese keinen Fruchtkörper aus (dieser wird erst sehr viel später gebildet). Die Winterdüngung wird dabei übrigens weniger gerne durchgeführt, weil die Wirkung insbesondere beim Stickstoff nicht sehr effizient ist. Die Pflanze kann also nur einen kleinen Teil des in der Gülle enthaltenen Stickstoffs aufnehmen. Gleichwohl muss sich der Landwirt den gesamten in der Gülle enthaltenen Stickstoff anrechnen lassen (die Gesamtmenge ist vom Staat reguliert).

Der ordnungsgemäße Einsatz von Gülle wird sowohl in der konventionellen als auch in der ökölogischen Landwirtschaft regelmäßig angewandt. Würde dieses Verfahren die Lebensmittelsicherheit beeinträchtigen, wären Epidemien mit EHEC und Co. seit Jahrzehnten an der Tagesordnung.

Die Betriebsgröße spielt auch eine Rolle in dieser Betrachtung, denn größere Betriebe haben sich in aller Regel auf einen Teilbereich der Urproduktion spezialisiert. So existieren reine Ackerbaubetriebe, Milchviehbetriebe, Mastbetriebe etc. Die Spezialisierung ermöglicht den Landwirten die selektive Vertiefung des Wissens in dem eigenen Teilbereich, so dass die Produktion insgesamt professioneller ist (das soll jetzt kein Pauschalurteil gegen einen Allrounder sein). Die Idylle wünscht sich einen kleinen Familienbetrieb mit Kühen und Schafen, vielleicht auch ein paar Schweine, Getreide-, Obst- und Gemüseanbau und ein paar Zimmer für die sommerlichen Touristen. Diese Familie muss alle Teilaspekte aller Produktionszweige beherrschen und soll dann von den Erträgen von 50 oder 100 Hektar leben.

Ist ein landwirtschaftlicher Betrieb beispielsweise auf den reinen Getreideanbau spezialisiert, so ist das Fachwissen um die Tierhaltung, die Mast, die Milchproduktion, die Schädlinge und Krankheiten bei Tieren, aber auch bei Obst und Gemüse nicht erforderlich. Auch die Mechanisierung kann entsprechend der Spezialisierung optimal ausgestaltet werden. Das Fachwissen wird durch eine horizontale Beratung ständig vertieft und durch Versuche erweitert. Das gilt übrigens für konventionell wie ökologisch ausgerichtete Betriebe gleichermaßen. Übergeordnete gesellschaftliche Ziele wie die Ressourcen schonende und kostengünstige Produktion von Lebensmitteln, die auch den Anspruch an die Lebensmittelhygiene erfüllen, können von hochgradig spezialisierten Betrieben besser und nachhaltiger erfüllt werden, als von dem idyllischen Bauernhof mit der Mistplatte neben den Gemüsebeeten. Dies scheint zumindest bei den Bloggern auch irgendwie im Kopf angekommen zu sein.

Allerdings ist auch hinsichtlich der hochgradig spezialisierten Landwirtschaft immer wieder der Einsatz der einzelnen Produktionsfaktoren zu hinterfragen. Dies betrifft im Ackerbau neben dem ständigen Überdenken verschiedener Pflanzenschutzsubstanzen auch den Einsatz von Klärschlämmen. Bei der Tierhaltung und -mast geht es neben den Haltungsbedingungen vor allem um die verwendeten Futtermittel, bei denen unter anderem Glycerin zum Einsatz kommt.

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