Irrweg Eurobonds

Der August dürfte wohl als einer der schlechtesten Börsenmonate in die Annalen eingehen. Und egal ob Spekulanten oder Politiker, jetzt gibt es auch eine Schuldige: Angela Merkel. Aber warum? Und wie viel kann eine in der Planwirtschaft der DDR aufgewachsene Physikerin von den Märkten und der Marktwirtschaft verstehen?

Auch wenn sich Spekulanten und Politiker auf eine gemeinsame Schuldige einschießen, ansonsten haben sie keine Gemeinsamkeiten. Den Spekulanten geht es im wesentlichen um die Stabilität des Euro-Raumes als wirtschaftlichen Raum. Eine Pleite eines Staates würde weitere Pleiten einiger Banken und eine schwere wirtschaftliche Depression im bankrotten Staat nach sich ziehen. Dieses Szenario fürchten die Spekulanten wie der Teufel das Weihwasser. Und so sehen sie den Ausweg in den sogenannten Eurobonds, durch die zumindest kurz- und mittelfristig die Wogen geglättet würden.

Die Politiker nun, allen voran die deutschen, lehnen diese Form von Anleihen ab. Kein Wunder, denn den Käufern solcher Anleihen ist durchaus bewusst, dass sowohl PIIGS-Risiken als auch bessere Bonitäten in einen Topf geworfen werden. Am Ende des Prozesses wird Deutschland mehr Zinsen bezahlen müssen, als dies ohne Eurobonds der Fall wäre.

Und Merkel verstrickt sich weiter in ihr unbekannten Untiefen: Letzte Woche trafen sich Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, um die Problematik quasi im Alleingang zu lösen. Frankreich und Deutschland wollen dabei im Prinzip alle anderen Mitglieder der EU ökonomisch entmündigen. Um dies auch den Sozialisten schmackhaft zu machen, wird gleich noch eine Steuer angekündigt, die den Feind, die Spekulanten, hart treffen soll. Allerdings sollten die Politiker berücksichtigen, dass die gewünschte Transaktionsteuer nur dann nicht zu Fehlallokationen führt, wenn sie weltweit an den wesentlichen Finanzmärkten eingeführt wird. Da das aber nicht zu erwarten ist, ist es sinnvoller, auf die Steuer zu verzichten. Dieses Wochenende schließt sich nun auch Finanzminister Wolfgang Schäuble der Idee der Entmündigung der Staaten an, nicht ohne im selben Atemzuge die Eurobonds abzulehnen.

Aber wohin wird das nun alles führen? Seit dem Crash mit Ansage, der von den Medien in weiten Teilen schön geredet wurde, ging es an den Finanzmärkten weiter abwärts, immerhin rund 25% oder besser gesagt um ein Viertel seit Mitte Juli. Und die Ursache liegt in der Handlungsunfähigkeit europäischer wie US-amerikanischer Politiker (die haben ihre Krise ja auch nicht wirklich gelöst), und nicht in einer drohenden Rezession, wie manch medialer Kommentator uns Glauben machen möchte. Denn die Rezession wäre erst die Folge einer Zahlungsunfähigkeit der USA, einem platzen der Eurozone oder der Insolvenz eines Staates.

Was mir Angst macht, sind die Politiker. Sie sitzen wie hypnotisierte Kaninchen vor der Schuldenkrise und wissen nicht, was sie tun sollen. Merkel allen voran scheint dem Glauben verfallen zu sein, dass ein Staat sowieso nicht pleite gehen kann. Es ist aber eben kein Spielgeld aus einem Monopoly-Spiel, mit dem die Schulden bedient werden müssen, sondern wie bei Dir und mir echtes Geld. Fehlt dies zum Fälligkeitstermin, dann ist man zahlungsunfähig, sprich pleite. Die drohende Währungsreform in der EU ist jedenfalls noch näher gekommen.

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