Stürmische Zeiten

Draußen stürmt es, und zwar an jeder Ecke. Vor meiner Tür fegen Böen der Stärke 9 den Regen um die Ecken und an die Fenster und in Kiel sitzen die Grünen auf ihrem Bundesparteitag in der warmen Sparkassenarena und sind wahrscheinlich dankbar, dass sie nicht bei dem Mistwetter in Gorleben Flagge zeigen müssen. Immerhin sind die Spontis von einst gealtert und zahlen heute vermutlich überwiegend einmal im Quartal die Praxisgebühr.

Im Wendland stürmt es auch. Hundertschaften der Polizei und die Gegner der Atomkraft stehen sich erbittert gegenüber. Von Bürgerkrieg mag man bei dem Katz-und-Maus-Spiel nicht reden, aber es hat schon etwas von einer Inneren Unruhe. Besonders beklemmend erscheint es, wenn sich die Polizei nicht an die Rechtsordnung hält. Wenn soll man dann rufen? Aber was soll´s: Der Castor-Transport wird am Ende ankommen und die Behälter werden im Zwischenlager Gorleben eingelagert werden. Um das verhindern zu können, müssten mehr als die zehnfache Anzahl an Gegnern vor Ort erscheinen…

Es stürmt aber auch an den europäischen Börsen, und der Euro ist kurz davor, wegzufliegen. Erstmals wird offen ein Auseinanderbrechen der Währungsunion in Erwägung gezogen und die Banken der unbeteiligten Staaten Großbritannien und Schweiz wurden von den Regulierungsbehörden angewiesen, sich auf diesen Fall vorzubereiten. Hat die Krise denn in den letzten Wochen wirklich eine neue Dimension angenommen? Ich fürchte leider, Ja:

Zum einen hat Wolfgang Schäuble Befürchtungen für die Demokratie in Europa insgesamt, wenn es zum Bruch der Währungsunion kommt. Abgesehen davon, dass es in Brüssel derzeit ohnehin an demokratischen Strukturen mangelt, muss ich Schäuble dieses Mal uneingeschränkt zustimmen: In denjenigen Staaten, die die Währungsunion verlassen, dürften die demokratischen Strukturen zusammenbrechen. Es käme vermutlich zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, wie Griechenland bereits heute erahnen lässt, an deren Ende sich totalitäre Regime etablieren könnten und wahrscheinlich würden. Von daher stellt ein Zerbrechen der Währungsunion keine Option dar, es sei denn, man möchte die nächsten 100 Jahre das Mittelalter wiederholen.

Auch das Verhalten der Italiener dient nicht unbedingt dem Erhalt und der Festigung demokratischer Strukturen. Man mag ja über Silvio Berlusconi denken, wie man will, aber im Rahmen des italienischen Wahlrechts ist Berlusconi demokratisch legitimiert (Ob da nun Schmiergelder geflossen sind, mögen die Gerichte klären; bis dahin ist er legitimiert). Jetzt aber, nachdem Berlusconi zum Rücktritt genötigt wurde, ist von der jetzigen Regierung niemand demokratisch legitimiert. Da hilft es auch nichts, dass man sie als ausgesprochene Fachleute bezeichnet. Für die Demokratie ist es jedenfalls ein Bärendienst

Zum anderen ist es selbst Deutschland nicht mehr gelungen, eine Tranche von rund 6 Milliarden Euro am Kapitalmarkt zu plazieren. Lediglich knapp 4 Milliarden Euro konnten refinanziert werden. Natürlich liegt das (noch) nicht am Rating Deutschlands, welches (unverständlicherweise) unverändert gut ist, sondern an der Tatsache, dass die Rendite, die sich aus den niedrigen Zinsen ergibt, unterhalb der Preissteigerungsrate liegt. Und wer kauft schon eine Anleihe, bei der bereits bei der Emission feststeht, dass man am Ende weniger als vorher hat?

Draußen stürmt es. Die Unwetterwarnung endet morgen um 5 Uhr. Der Sturm im Wendland dürfte sich auch morgen legen. Und an den Finanzmärkten dürfte auch demnächst Ruhe einkehren, denn auch dort beginnt die Weihnachtszeit. Es ist nicht zu erwarten, dass sich in diesem Jahr noch eine Entscheidung über den Euroraum abzeichnen könnte.

Advertisements

Über hinrich7

Noch nix...
Dieser Beitrag wurde unter Lumpensammlung abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Stürmische Zeiten

  1. Justin schreibt:

    Guter Artikel. Bestimt keine schlechte Sache, sich mit der Thematik genauer zu befassen. Ich werde auch die nächsten Artikel verfolgen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s