Farbloses BILD-Niveau

Guter Journalismus ist rar in Deutschland und allgemein steckt man die Erwartungen ja nicht zu hoch. Allerdings ist mein Anspruch an eine „Landeszeitung”, die zudem unabhängig sein möchte, von den Kieler Nachrichten abermals nicht erfüllt worden. Diesmal geht es aber nicht um große Politik, sondern lediglich um die banale Frage, ob das Fleisch von mit Bleimunition erlegtem Wild für den Verzehr durch den Menschen eine Gefahr darstellen könnte.

Bleifrei auf Reh und Wildsau

Bleifrei auf Reh und Wildsau

Die eigentliche Crux findet sich leider nicht im Online-Artikel, sondern lediglich in der Print-Ausgabe: Am Ende wird auf die Vermarktungsseite der schleswig-holsteinischen Landesforsten verwiesen, die für diesen Artikel sicher nicht einen Cent bezahlen mussten. andere Vermarktungsseiten wie etwa die der Jäger unter dem Motto „Wild auf Wild” oder freie, marktwirtschaftliche Seiten, wie etwa das „Beutehaus” finden keine Erwähnung. Darüber hinaus wird suggeriert, das Wildbret, welches über Feinwild bezogen werde, sei frei von Bleibelastungen, obwohl die Jäger in den Landesforsten erst ab April 2013 verpflichtet werden, auf bleihaltige Munition zu verzichten.

Um die Dramatik zu erhöhen wird dann noch der Seeadlerschutz missbraucht: Es sei laut NABU nachgewiesen: „Die häufigste Todesursache bei Seeadlern sei die Bleivergiftung.” Ich möchte den NABU nicht diskreditieren und deshalb diese Behauptung nicht annehmen oder ablehnen, wenngleich die Projektgruppe Seeadlerschutz zu gänzlich anderen Ergebnissen kommt. Die Daten sind nämlich ohnehin nicht belastbar, weil es sich um Zufallsfunde handelt. Eine systematische Untersuchung, die einzig als wissenschaftliche Basis belastbare Daten liefern könnte, existiert nicht. Von daher kann keine Aussage zur Häufigkeit der Todesursachen getätigt werden.

Weitere unbelegte (und falsche) Angaben zur Zahl der Jäger und der Verwendung bleifreier Munition runden das Pamphlet ab.

Inhaltlich will ich mich nicht gegen die Thematik stellen, ganz im Gegenteil: Jede Vermeidung von Problemstoffen ist notwendig und muss dort, wo sie heute unvermeidbar scheint, immer wieder diskutiert werden. Und dass dabei der Anstoß regelmäßig von Außen kommen muss, weil sich von innen immer Widerstände ergeben, ist auch ein Phänomen, welches sich bei jedem beliebigen gesellschaftspolitischen Thema finden lässt. Aber mit einem polemischen, schlecht recherchierten Artikel, der in der URL einer staatlichen Vermarktungsplattform endet, lässt die Bezeichnung „Unabhängige Landeszeitung” doch sehr zwielichtig erscheinen.

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Über hinrich7

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