Monopolallüren

Deutsche Telekom in Bonn

Dass die Deutsche Telekom AG immer wieder geradezu reflexartig das Verhalten eines Monopolisten an den Tag legt, zeigte sich erst unlängst in der Diskussion um die Drosselung von Datenströmen beim Überschreiten eines festgelegten Kontingentes. Eigentlich ist das auch kein Problem, sondern ein etabliertes Vertragsmodell: Man nennt es „Volumentarif”. Der Aufreger liegt wohl mehr in der sprachlichen Synthese dieses (für die Telekom) neuen Produktes, sollen doch zunächst nur Neuverträge betroffen sein. Hier hätte die Telekom es einfacher gehabt, hätte sie wie damals beim ISDN gesagt: „Leute, ab dem 1.5.2013 gibt es eben keine Flatrate mehr, sondern nur noch kernige, auf Euren Bedarf angepasste, kontingentierte Volumentarife.” Und dass alte Flatrate-Verträge nur über eine Kündigung, nicht aber über eine Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen angepasst werden können, sollte irgendwie selbstverständlich sein. Das aber wiederum will die Telekom natürlich vermeiden, weil sie selbst aktiv kündigen müsste und sicherlich die Kunden mehrheitlich zu Ex-Kunden mutieren würden. Und dass die Telekom alles mögliche tut, um die Konkurrenz zu behindern, zeigt folgendes bizarre Beispiel:

Am 20. Mai 2013 warnte der Deutsche Wetterdienst vor ergiebigen Regenfällen mit bis zu 90 Milimeter Niederschlag binnen 24 Stunden. 70 mm sind es dann am 21. Mai geworden, aber offensichtlich war das für eine Muffe irgendwo im Erdreich zwischen der Vermittlungsstelle und den dörflichen Endbenutzern zu viel. Es gab einen Kurzschluss auf allen Leitungen und das gesamte Dorf wurde am 22. Mai ins kommunikative Nirwana geschickt. Das ganze Dorf? Nein. Kunden bei Drittanbietern wie KielNet waren grundsätzlich abgeschnitten, sowohl hinsichtlich des Telefons (einschließlich Telefax, versteht sich selbstredend), als auch hinsichtlich des DSL-Anschlusses (der in der Regel ein DSL-Light-Anschluss bedeutet, da die Vermittlungsstelle zu weit entfernt ist). Kunden der Telekom selbst hatten teilweise weder Telefon noch DSL, nur DSL ohne Telefon, oder aber beides funktionierte einwandfrei. Wie konnte das sein?

Outdoor-DSLAM

Vor ein paar Jahren konnte die Telekom bei einem Neubau eines Hauses eines neuen Gemeindemitglieds dem Kontraktionszwang beim Telefonanschluss nicht mehr nachkommen. Immerhin waren die analogen und ISDN-Anschlüsse schon mehrfach übereinander gelegt (Multiplexing), so dass ein Leitungsbau unumgänglich wurde. Und das machte die Telekom dann auch richtig: Sie legte eine neue Leitung, schickes Glas, und packte an deren Ende im Dorf ein Outdoor-DSLAM, so dass man fortan zumindest die leichtgewichtige Grundversorgung eines 16.000er DSL-Anschlusses wählen konnte. Aber eben nur als Kunde der Telekom. Die Konkurrenten, ob Arcor, KielNet oder andere, konnten ihre Kunden nach wie vor nur über die alte Leitung versorgen und ihnen so keine akzeptablen Internetzugänge verschaffen.

Und nun kam das Wasser. Konkurrenzkunden waren dadurch abgeschnitten, alte Kunden der Telekom auch, und zwar vollständig, sofern sie kein schnelles DSL nachbestellt haben. Dann nämlich läuft das Telefonat über die alte, das Internet aber über die neue Leitung. Neukunden hatten in der Konsequenz keine Probleme, da ihre Kommunikation vollständig über die Glasfaserleitung abgewickelt wird.

Wäre die Telekom ein ökonomisch handelndes Unternehmen, hätte sie nach diesem Schaden die alte Kupferleitung aufgegeben und das gesamte Dorf hinsichtlich Telefon und DSL auf die neue Glasfaserleitung umgeleitet (Kapazitätsprobleme gibt es an der Stelle ja nicht). Die Störung wäre dann für alle Betroffenen wahrscheinlich noch am 22. Mai behoben gewesen, statt erst am 24. Außerdem hätte die Telekom das Geld für die zwei Tage andauernden Erdarbeiten vermieden. Dann aber hätten auch die Telekom-Konkurrenten das schnelle ADSL+ anbieten können, was vielleicht zu Kundenverlusten bei der Telekom hätte führen können.

Infrastrukturnetze, ob Straße, Schiene oder eben Telekommunikation, erzeugen, wenn sie sich in privatwirtschaftlicher Hand befinden, zu natürlichen Monopolen, mindestens aber zu Oligopolen. Monopole und Oligopole aber stören, besser, schädigen den Markt. Das ist im übrigen in den Wirtschaftswissenschaften gleich welcher Couleur unumstritten. Deshalb gehört auch die Telekommunikationsinfrastruktur in Staatshand. Wir müssen nur aufpassen, dass der Staat die dann auch nicht so verwahrlosen lässt, wie die Straßen,  Schienen oder Kanäle…

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